Foto: Christian Küch

Am Dienstagabend fand der zweite Test unserer Wikinger im Stadion Hoheluft statt. Zu Gast waren die U19-Nachwuchskicker des FC Sankt Pauli, die normalerweise in der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost auf Punktejagd gehen. Die Truppe von Ex-Profi Timo Schultz, der unter anderem gemeinsam mit unserem Liga-Trainer Marius Ebbers am Millerntor auflief, stellte uns vor allem in der ersten Halbzeit vor eine Aufgabe, der wir nicht gänzlich gerecht werden konnten. Zur Pause sah Vieles danach aus, als würden wir, nachdem wir uns im März 2019 mit 0:6 gegen die Kiezkicker-Jugend deutlich geschlagen geben mussten, erneut mit einer Niederlage vom Platz gehen. Doch dann kam die zweite Halbzeit, in der unsere Mannschaft aufdrehte. Insgesamt wurde eine gute Unterhaltung und viele Tore geboten.

Pingdwinde Daouda Beleme (re.) erzielte das zwischenzeitliche 2:1 für St. Pauli.
Foto: Christian Küch

Die Akteure beider Seiten ließen von Anfang an den Ball schnell laufen. Im Zug nach vorne setzten die Offensivkräfte hüben wie drüben gute Akzente. Dabei zeigten die Gäste zunächst auch noch die bessere Defensivarbeit, gepaart mit einem rasanten Umschaltspiel, was für sie häufiger als für uns mit einem finalen Abschluss endete. Deshalb dauerte es nicht lange, bis sie folgerichtig in der siebten Minute mit 1:0 in Führung gingen. Wir mussten also gegen einen sehr laufstarken Gegner einem Rückstand hinterherrennen. Durch gutes Nachsetzen in der gegnerischen Box, zwangen wir dann die Schultz-Schützlinge in der 13. Minute zu einem Fehler: Ihr Keeper nahm einen Rückpass mit den Händen auf, was einen indirekten Freistoß, 14 Meter vor dem Kasten, zur Folge hatte. Klaas Kohpeiß täuschte bei der Ausführung einen Querpass an, bediente dann aber doch, ganz im Stil eines schlauen Fuchses, auf kürzester Distanz Ian-Prescott Claus, der die Pille zum Ausgleich von halblinks in den rechten Winkel hämmerte. Eine tolle Standard-Ausführung und ein echt schöner Schuss. Doch die Freude war sehr schnell wieder verflogen, denn im direkten Gegenzug gelang den Sankt Paulianern die erneute Führung (14.). Anschließend steckten wir zwar weiterhin nicht auf, doch bis zur Halbzeit besaßen die Gäste das größere Chancenplus. Durch einen zusätzlichen Treffer in der 36. Minute lagen wir zur Pause sogar mit 1:3 zurück.

Zweite Halbzeit = Vicky-Zeit

Josef Shirdel kam, forderte den Ball und traf. Foto: Christian Küch

Sollte diese Partie am Ende zumindest ähnlich hoch wie im Vorjahr ausgehen? Nein! Denn nach dem Seitenwechsel trumpften unsere Männer auf und zeigten, dass man völlig zurecht immer bis zum Schluss mit ihnen rechnen muss. Das ist definitiv eine der Stärken unserer Wikinger. In der 54. Minute war es Magnus Hartwig, der einen Querpass verwertete und auf 2:3 verkürzte. Anschließend schrieb Josef Shirdel, der nach jahrelanger Leidenszeit (zwei Kreuzbandrisse hintereinander) im ersten Testspiel am vergangenen Wochenende sein sehr lang ersehntes Fußballer-Comeback feierte, ein neues Kapitel seiner Geschichte: Nachdem der Mittelfeldmotor in der 63. Minute eingewechselt wurde, dauerte es in etwa gerade mal nur 30 Sekunden, bis er sich in der Mitte des gegnerischen Strafraums positionierte, ein Zuspiel forderte und das Leder eiskalt mit seiner linken Klebe aus 13 Metern ins Netz zimmerte. Man konnte meinen: Shirdel kam, sah und siegte. Seine Glückseligkeit war ihm auf jeden Fall anzusehen. Doch für einen tatsächlichen Sieg musste noch mehr kommen, da dieser Treffer das Zwischenergebnis auf 3:3 stellte. Dafür zeigte sich in der 70. Minute dann Dennis Bergmann verantwortlich, der mit einem zielgenauen Schuss das Spielgerät an den linken Innenpfosten setzte, von wo die Pille zur Führung ins Gehäuse flog. Das Geschehen wurde damit komplett auf den Kopf gestellt. Unsere Männer setzten sich damit nach einem 1:3 Rückstand mit 4:3 in Front. Auch wenn es in Anführungsstrichen „nur“ eine Freundschaftspartie war, präsentierten sie damit eine enorme Moral und unterstrichen mal wieder ihren Siegeswillen. Hut ab dafür! Allerdings sollte es am Ende dann doch nicht das beste Ergebnis werden, da die St. Pauli-Kicker fünf Zeigerumdrehungen vor dem Schlusspfiff den 4:4 Ausgleichstreffer erzielten und somit noch ein Unentschieden für sich herausholten. Angesichts der Tatsache, dass beide Teams jeweils eine Halbzeit lang etwas dominanter waren, war dies sicherlich ein gerechter Ausgang eines echt unterhaltsamen Duells mit vielen Toren, worüber wir uns schließlich auch freuen können.



AUTOR: Mathias Reß