Kapitän Felix Schuhmann (re.) holte mit seiner Mannschaft einen Punkt in Niendorf. Foto: Christian Küch

Am Sonntag reiste unsere Ligamannschaft zum ersten Auswärtsspiel der noch jungen Saison nach Niendorf. Die Partie zwischen dem NTSV und unseren Victorianern bekam von nicht wenigen Hamburger Fußballinteressenten das Prädikat „Topspiel“ verpasst. Doch am Ende blieb dann so ein bisschen die Ernüchterung, da sich beide Teams oftmals mehr neutralisierten, als dass es für die nicht anwesenden Zuschauer äußerst unterhaltsam hätte sein können.

André Monteiro Branco (li.) schoss kurz vor Schluss noch den Ausgleich für den SC Victoria. Foto: Christian Küch


Lediglich mit einem 14-Mann-Kader, der zwei Torhüter beinhaltete, schlugen unsere Trainer in Niendorf auf. Das sorgte auch bei den Gastgebern für ein bisschen Verwunderung, was man im Anschluss an die Partie erfuhr. Trotzdem hatte Coach Marius Ebbers diesbezüglich eine ganz klare Haltung: „Unsere Personalsorgen ergeben natürlich eine Situation, die nicht ganz optimal ist. Aber das soll keine Ausrede oder ein Alibi oder sonst irgendwas sein. Wir hatten heute Jungs im Kader, die alle richtig gute Qualität haben, um so ein Spiel auch erfolgreich gestalten zu können.“ Erfolgreich waren unsere Victorianer dann aber nur bedingt.

Nun aber der Reihe nach: Zunächst fand eine Art Abtasten beider Teams statt. Doch in der zwölften Minute versuchte der Niendorfer Martin Fedai dann mal ein Zeichen zu setzen. Mit einem satten Schuss aus 17 Metern verfehlte er den rechten Winkel nur knapp. Kurz darauf hätte Miguel Gimeno unsere Victorianer aber fast in Führung gebracht. Doch leider schoss er den Ball nach einer weiten Flanke von Jan-Philipp Kalla per Direktabnahme und unter höchster Bedrängnis nur über das Tor (15.). So langsam fingen beide Seiten an, gefährlicher für den jeweiligen Gegner zu werden. Wobei genau das den Niendorfern etwas besser gelang.

Was Lennart Merkle erst noch verwehrt blieb, als er mit dem Ball am Gehäuse vorbeirutschte, gelang Daniel Brückner in der 35. Minute allerdings besser, indem er eine scharfe Flanke volley nahm und somit für die Hausherren das 1:0 erzielte. Es blieb nur abzuwarten, ob unsere Wikinger dem auch noch was entgegensetzen konnten. Bis zur Pause blieb es aber dabei, auch weil unser Verteidiger Yannick Siemsen haarscharf nur über die Latte köpfte (40.).

Ein Schuss wie ein Strahl

Die Freude war riesig, als der Ball zum Ausgleich im Netz zappelte. Foto: Christian Küch

Nach dem Seitenwechsel legten sich die Niendorfer direkt wieder ins Zeug. Sie zeigten, dass sie unbedingt nachlegen wollten. Vor allem war es immer wieder Daniel Brückner, der über die linke Seite und in der Offensive für mächtig viel Wirbel sorgte, während unsere Victorianer zwar ein ordentliches Spiel auf das Parkett brachten, es aber nicht schafften, im gegnerischen Strafraum für viel Gefahr zu sorgen.

Eher hatte es den Anschein, dass das Team des Niendorfer TSV näher am 2:0 dran war, als unsere Männer dem Ausgleich. Die beiden größten Chancen hatte dabei wieder Daniel Brückner. Erst scheiterte der „Sachsenwegler“ an einem prächtigen Reflex unseres Keepers Hendrik Rabe und später köpfte er völlig freistehend an den linken Pfosten. Auch der eingewechselte Leandro Joaquin Kreit Casale verfehlte das Tor nach einem herausragenden Sololauf nur um wenige Zentimeter.

Eine Standardsituation sollte unsere Männer dann aber nicht nur wieder ins Spiel bringen, sie wurden dadurch sogar noch einmal regelrecht wachgerüttelt: Es waren mittlerweile schon 82 Minuten gespielt. Da legte sich André Monteiro Branco den Ball für einen direkten Freistoß bereit. Die Entfernung zum Ziel betrug in etwa 28 Meter. Als dann die Freigabe des Schiedsrichters kam, fackelte der Mittelfeldspieler nicht lange. André Monteiro Branco beförderte den ruhenden Ball mit einem satten und sehr sehenswerten Schuss wie im Strahl links an der Mauer vorbei, so, dass das runde Leder unhaltbar im Kasten einschlug. Was für ein Freistoßtor. Was für ein Jubel. Unsere Victorianer waren mit diesem Treffer zum 1:1 noch einmal zurück in der Partie.

„Wir müssen an der Geilheit im letzten Drittel arbeiten“

Trainer Marius Ebbers ärgerte sich vor allem darüber, dass sich seine Truppe nicht selbst belohnen konnte. Foto: Christian Küch

Und genau das zeigten sie in der Schlussphase. Plötzlich klappte es dann auch mit den Vorstößen besser. Das was zuvor nicht ganz so funktionieren wollte. Und auf einmal waren unsere Männer der Führung näher. Dabei hatte Nil von Appen noch die beste Gelegenheit, doch die Pille flog flach am rechten Pfosten vorbei. Also sollte es schließlich so sein: Nach einer Zugabe von drei Minuten pfiff Schiedsrichter Florian Schwarze (MSV Hamburg) die Partie ab und wir mussten uns mit einer Punkteteilung zufriedengeben.

Trainer Marius Ebbers: „Natürlich sind wir am Ende froh, dass wir noch den Ausgleich gemacht haben, weil wir lange mit 0:1 hinten lagen. Trotzdem: Die Jungs betreiben einen unheimlichen Aufwand. Im letzten Drittel fehlt dann aber noch die letzte Konsequenz und dadurch belohnen sie sich nicht für das, was sie vorher Spielen. Sie spielen einen vernünftigen Ball. Das sieht man auch, dass wir guten Fußball spielen. Aber es bringt nichts, nur im ersten und zweiten Drittel guten Fußball zu spielen. Man muss dann auch irgendwann mal ins letzte Drittel kommen und da dann, sage ich mal, mit einer absoluten Geilheit reinkommen. Daran müssen wir arbeiten. Was das angeht, fehlt uns einfach noch ein bisschen, um so ein Spiel wie heute auch zu gewinnen.“




AUTOR: Mathias Reß