Das intensive Spiel kostete viel Kraft. Foto: Mathias Reß

Endlich war er da. Der Tag auf den alle, die etwas mit dem SC Victoria Hamburg zu tun haben, warteten: Das Halbfinale des ODDSET-Pokals. Nur noch ein Schritt sollte zu gehen sein und dann würde man im eigenen Stadion das Endspiel bestreiten. Das große Ziel in dieser Saison, das es zu erreichen galt. Die Mannschaft war nicht nur extrem heiß sondern auch äußerst motiviert. Die TuS Dassendorf als Hamburger Serienmeister und amtierender Pokalsieger war aber eben kein Gegner, den man mal im vorbeigehen schlagen könnte. Von einem „Duell auf Augenhöhe“ wurde vor der Partie vielerorts gesprochen. Und genau das wurde es auch. Am Ende gab es den Knockout in der 89. Minute.

Alles passte soweit, auch wenn wir am Ostersamstag die Reise bis nach Dassendorf auf uns nehmen mussten. Die Mannschaft trainierte sehr gut, die Stimmung war positiv und über allem stand der WILLE diese Partie zu rocken, um am 25. Mai das Endspiel im eigenen Stadion bestreiten zu dürfen. So weit, nur noch einen Schritt davon entfernt, schaffte es Vicky seit fünf Jahren nicht mehr. Und, dass das etwas ganz Besonderes war, spürte man spätestens bei der Ansprache von Trainer Fabian Boll. Jeder einzelne Akteur brauchte im Anschluss gar nichts mehr sagen. In ihren Augen loderte es, sie brannten förmlich darauf, endlich dieses Spiel bestreiten zu können. Doch dann kam beim aufwärmen der erste Dämpfer: Innenverteidiger Vincent Ermisch verletzte sich und musste passen. Für ihn rückte Yannick Siemsen kurz vor dem Anpfiff in die Startelf und Jan Kämpfer füllte den Kader wieder auf. Beide Kicker sollten noch eine tragische Rolle spielen.

Sofort entwickelte sich ein unterhaltsames Fußballspiel

Foto: Mathias Reß

Doch alles der Reihe nach. Als sich noch einige Zuschauer in der Schlange vor dem Kassenhäuschen befanden, hatte unser Goalgetter Dennis Bergmann die erste Gelegenheit des Spiels auf dem Fuß, scheiterte aber am Dassendorfer Keeper (3.). Drei Zeigerumdrehungen später erspielten sich dann die Hausherren eine Chance. Genauso ging das Spiel über die kompletten 90 Minuten. An dieser Stelle möchten wir unser Team loben, da es von Anfang bis Ende leidenschaftlich und aufopferungsvoll kämpfte. Unsere Jungs gingen weite Wege. Keine Strecke war ihnen zu weit und das bei ungewohnt hohen Temperaturen. Sie gingen über ihre Schmerzgrenze hinaus. In der anschließend stattgefunden Pressekonferenz zogen beide Trainer ihren imaginären Hut vor der Leistung beider Mannschaften.

Apropos Schmerzgrenze: Der in die Startelf nachgerückte Siemsen verletzte sich nach einer halben Stunde während einer Rettungstat, als er mit unserem Keeper Dennis Lohmann zusammenprallte. Schnell war klar, dass es für den Verteidiger nicht mehr weitergehen konnte. So verloren wir schon den zweiten Innenverteidiger und dabei war das Spiel gerade mal 30 Minuten alt. Für ihn kam Marc Lange ins Spiel, der sich mit all seiner Erfahrung nahtlos in die gute Leistung der Truppe einfügte, auch wenn er in der letzten Aktion vor der Halbzeit in einem Zweikampf unglücklich zu spät kam, was zu einem Freistoß führte, der uns stark durchatmen lies, als der Ball an den linken Pfosten klatschte.

Der Stich ins Herz kam kurz vor Schluss

Foto: Mathias Reß

Nach dem Wiederanpfiff gestaltete sich das Spielgeschehen ähnlich wie in der ersten Halbzeit. Der einzige, für uns positive, Unterschied war, dass unsere Jungs es schafften, noch kompakter zu stehen, als im ersten Durchgang. Der Unterhaltungswert war generell weiterhin sehr hoch. Es machte schon längst den Anschein, dass dies so ein typisches Spiel war, indem diejenige Mannschaft als Sieger vom Platz gehen sollte, die den ersten Treffer erzielte. Allerdings liefen auch die Minuten weiter und der Ablauf der regulären Spielzeit rückte immer näher. Nicht wenige dachten sich in der weit vorangeschrittenen Schlussphase bereits, dass diese Begegnung wohl in die Verlängerung gehen würde. Doch dann kam die entscheidende Szene. Der fünf Minuten zuvor eingewechselte Jan Kämpfer, kam für den verletzten Timo Stegmann auf das Feld, ging zentral vor dem Strafraum in einen Zweikampf, wobei sein Gegenspieler zu Boden fiel. Kämpfer selbst beteuerte nach dem Abpfiff immer wieder, den Dassendorfer nicht mal berührt zu haben. Der Schiedsrichter will allerdings einen Kontakt gesehen haben und entschied auf Freistoß. Sven Möller legte sich 18 Meter vor dem Kasten die Pille zurecht und versenkte die Kugel schließlich in der 89. Minute links unten im Netz. Das war der Knockout für unsere Mannschaft. Ein Stich ins Herz, der noch tiefer saß, als die Partie zwei Minuten später vorbei war und wir somit den Einzug ins Endspiel verpassten.

Wir sind stolz auf euch!

Wie traurig, geknickt und niedergeschlagen unsere Kicker waren, konnte man nach dem Abpfiff sehen, als sie sich auf dem Platz verstreut teilweise mit Tränen in den Augen auf den Boden setzten und erstmal ein paar Minuten brauchten, um das Geschehene zu verarbeiten. Dennoch sei nochmals gesagt: Die Leistung war bärenstark. Trainer Fabian Boll war auf der Pressekonferenz ganz klar anzumerken, wie sehr stolz er auf jeden Einzelnen seiner Männer war. Das auch zurecht! Bis zur nächsten Saison dauert es nicht mehr lange. Dann werden wir erneut angreifen und wieder das Ziel vor Augen haben, das Finale im eigenen Stadion bestreiten zu dürfen. Nun geht es aber schon am Ostermontag in der Liga weiter, wenn wir um 16:30 Uhr zu Gast beim HEBC sind. Über Unterstützung freuen wir uns sehr. Bis dahin wünschen wir aber trotz allem noch schöne Ostern.


AUTOR/FOTOS: Mathias Reß