Video-Analyst Justus Lemp kann seine Spielaufnahmen auch schon an Ort und Stelle bearbeiten. Foto: privat

Heute schauen wir mal ein wenig „hinter die Kulissen“. Denn da sich sonst unsere Veröffentlichungen meistens um unsere Oberligaspieler und deren Trainer handeln, bekommt man in der Regel nicht ganz so gut mit, wer denn noch so dazu gehört und im Hintergrund agiert. Deshalb haben wir uns mal virtuell mit Justus Lemp (25 Jahre) getroffen, der auch seit vergangenem Sommer zum sogenannten Team ums Team gehört. Justus ist beim SC Victoria, neben seines eigenen Nachwuchs-Trainer-Daseins, nun auch Videoanalyst für unsere Ligamannschaft. Spannend ist, wie es dazu kam, dass er diesen Posten ausfüllt, wie das generell so läuft mit der Videoanalyse und was Justus sonst so über das Leben als „STAFF-Mitglied“ berichten kann.

Justus gehört seit Sommer 2020 zum Liga-Team. Foto: Christian Küch

Gebürtig kommt Justus aus Melle in der Nähe von Osnabrück. Vor dreieinhalb Jahren zog es den Fußballbegeisterten Niedersachsen in unsere schöne Hansestadt. Hier studiert er „Sport- und Eventmanagement“ mit Spezialisierung auf „Soccermanagement“, wobei es im Großen und Ganzen tatsächlich um das Fußballgeschäft geht. Beim SC Victoria Hamburg landete Justus nachdem er von seinem Auslandsemester aus Südamerika zurückkehrte. Aufgrund einer Verletzung konnte er leider nicht mehr selbst gegen das runde Leder treten, doch war auch dann noch seine Liebe zum Fußball weiterhin so groß, dass er sich wünschte, künftig als Trainer an der Seitenlinie zu stehen. Also reagierte er blitzschnell auf ein Trainergesuch unseres SCV und stieg schon bald als Co-trainer des 2007er Jahrgangs ein. Mittlerweile bildet Justus mit seinem Teamkollegen Sebastian glücklich ein gleichberechtigtes Trainergespann. „Und dann kam im Verein irgendwann raus, dass ich an der IST-Hochschule in Düsseldorf auch noch als Weiterbildung über ein Fernstudium `Spielanalyse und Scouting´ studiere. Daraufhin kamen wir bei Vicky in gute Gespräche und wir haben uns schnell geeinigt, dass ich doch dann auch noch als Videoanalyst für die 1. Herren da bin“, erinnert sich Justus zurück. „Wäre Corona nicht dazwischen gekommen, hätte ich heute sagen können, dass ich das nun schon einige Monate mache. So blieb es leider nur bei sechs Spielen, bis der Sportbetrieb wieder eingestellt wurde.“

Dass es für Justus deshalb mit der Videoanalyse nicht weitergeht, ist für ihn nochmal zusätzlich bitter, da dies auch für seinen Weg, den er verfolgt, sehr wichtig ist: „Mein Ziel ist es, irgendwann in Richtung Sportmanagement eines Profivereins zu gehen, wofür ich mich mit den Studiengängen, den Weiterbildungen, den Trainerzertifikaten und den Möglichkeiten mich auf verschiedenen Wegen auszuzeichnen – wie zum Beispiel als Videoanalyst der Ligamannschaft – bestmöglich aufstellen möchte. Ich möchte einfach einen großen Pool an Fähigkeiten generieren, die ich erlernt und auch schon ausgeführt habe, um dies auch bei Bewerbungen vorzeigen zu können.“

„Ich möchte helfen, die Mannschaft besser zu machen.“

Justus ist am Platz meist nur mit seiner Kamera anzutreffen. Foto: privat

Doch wie funktioniert das eigentlich mit der Videoanalyse? „Jeder Fußballfan ist im Endeffekt ebenfalls ein Spielanalyst“, weiß Justus zu berichten. „Denn schaut er die Partien seines Lieblingsvereins, hinterfragt er beispielsweise auch automatisch immer mal wieder die Lauf- oder Passwege der Spieler. Das ist zwar sicherlich ein anderes Level, als die Analyse, die für die Auswertung der Mannschaft gedacht ist, aber genau damit fängt es schon an. Ich habe dafür dann eben noch die Möglichkeiten, genau das im Nachhinein besser zu bearbeiten und vorzuspielen.“ Da hilft es unserer Oberligamannschaft und den Trainern natürlich enorm, solche Auswertungen sogar als Video zu haben und auf gewisse Szenen hingewiesen zu werden, um das Ganze dann zu besprechen, damit auch die Spieler daraus lernen und schließlich besser werden können, was Justus sehr wichtig ist: „Mir geht es immer erstmal darum, die Mannschaft, die ich betreue, besser zu machen.“ Doch damit das auch so funktionieren kann, ist eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Trainern von Nöten. Denn nur so kann Justus als Analyst wissen, worauf die Trainer achten, was ihnen wichtig ist und was ihnen in ihrem Spielsystem hilft. „Natürlich muss die Analyse etwas darauf beschränkt werden, was die Trainer sehen wollen. Denn sonst kann man auch das ganze Spiel analysieren und hat am Ende Material für vier bis fünf Stunden.“

Das Arbeitsmaterial – die Kamera

So sieht die Veo-Kamera aus. Foto: privat

Um seine Tätigkeit durchführen zu können, benötigt Justus natürlich auch ein entsprechendes Kamera- und Analysesystem. Dafür verwendet er die Sports Camera der Firma „Veo“. Neben der Tatsache, dass dieses System im Preis-/Leistungsverhältnis absolut überzeugen kann, ist auch der Umgang sehr angenehm. Die Kamera steckt auf einem Stativ, das über mehrere Meter hochgefahren werden kann. Von oben filmt sie dann das Spiel so ab, dass sie sich mit dem Ball über das Spielfeld hinweg mitbewegt, ähnlich wie man es auch von Aufnahmen aus der 1. Bundesliga kennt. Ein direkter Zugriff auf das System ermöglicht es, dass Justus beispielsweise auch direkt nach dem Spiel genau angezeigt wird, an welcher Stelle der Aufnahme beispielsweise Tore gefallen sind und wann es einen Anstoß oder einen Halbzeitpfiff gab. Das bedeutet auch, dass nur ein sehr geringer Aufwand entsteht. Die Kamera muss dann nämlich nur wieder abgebaut und zu Hause ans Internet angeschlossen werden. Anschließend kann Justus mit dem hochgeladenen Spiel super einfach arbeiten, indem er mit verschiedenen Tools einzelne Szenen heraussucht und sie beispielsweise zurechtschneidet. Justus schätzt das System: „Ich persönlich arbeite sehr gerne mit diesem System. Gerade weil der Umgang so einfach ist. Aber auch die Hardware finde ich sehr gut gelöst. Ich habe schon andere Systeme gesehen, bei denen die Kamera ausgefallen ist oder der Akku schlapp gemacht hat. Aber bei dem System von Veo habe ich das noch nie mitbekommen.“

„Es macht Spaß, Fußball aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“

Justus beim Aufbau seines Systems. Foto: privat

Alles in allem ist zusammenzufassen, dass die Zuarbeit von Justus enorm wichtig für die stetige sportliche Entwicklung und Verbesserung der Spieler ist. Das zum einen. Zum anderen können sich die Trainer mit den Aufnahmen aber auch nochmal besser auf den nächsten Gegner vorbereiten, wenn bereits eine Aufnahme aus dem Hinspiel oder der Vorsaison existiert. Deshalb sind wir beim SC Victoria Hamburg auch sehr froh darüber, dass Justus diesen Job ausführt. Und auch er hat sichtlich Freude am Tun: „Generell kann ich sagen, dass es halt zudem auch noch einfach Spaß macht, Fußball aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen.“ Unter anderem diese Begeisterung macht den Victorianer auch so sympathisch, weshalb er von der ersten Sekunde an herzlich willkommen war. Trotzdem geht Justus aber auch sehr bedacht und professionell an die Sache, um einfach auch Respekt zu zeigen. „Da wir durch Corona leider noch nicht ganz so viel miteinander zu tun hatten, würde ich es so beschreiben, dass ich mich mit der Mannschaft noch in einer Art Findungsphase befinde. Denn ich würde es als zu leicht ansehen, wenn man neu in ein bestehendes Team kommt und sagt, dass man hier nun diese Arbeit macht und die Spieler sich das jetzt mal anschauen müssen. Meiner Meinung nach sollte zuallererst eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Deshalb bin ich ein Freund davon, dass es anfangs einfach auch eine gewisse Findungsphase braucht. Und da wir leider noch nicht viel in Kontakt treten konnten, kann eben eine engere Bindung einfach auch noch nicht da sein. Dennoch fühle ich mich seit dem ersten Moment wirklich sehr wohl im Team und freue mich sehr darüber, ein Teil dessen sein zu dürfen, weil das Miteinander seit Anfang an trotzdem schon super passt.“



Autor: Mathias Reß