Sonntags-Held Yannick Siemsen (Nr. 5) ließ sich zurecht von seinen Kameraden feiern. Foto: Christian Küch

Sonntagmorgen: Die Straßen waren noch wie leergefegt. Von den S-Bahn-Aufgängen sah man die letzten Kiezgänger nach einer durchzechten Nacht auf ihrem Heimweg die Treppen hochschwanken. Das Thermometer zeigte einen Wert nur knapp über dem Gefrierpunkt, weshalb bereits vor der Abfahrt vorgesorgt wurde, indem sich unter den fünf „normalen“ Lagen auch noch die Thermounterwäsche am Körper befand (ein Hoch auf die Ehefrau, die sich nicht davon abhalten ließ, diese zu besorgen). Dass sich das auszahlen sollte, war sofort auf dem Weg von der Haustür zum Auto zu spüren. Da konnten einem die Spieler schon weit vor Anpfiff etwas leidtun. Jedoch nur „etwas“, denn so schlimm würde es für sie schon nicht werden, da sie sich schließlich viel bewegen sollten. Für das Spiel selbst stellte sich nur die Frage, welche Mannschaft besser mit den Umständen der Kälte und der früheren Anstoßzeit um 10:45 Uhr klarkommen würde. Eigentlich ja der USC Paloma, mochte man meinen. Schließlich tragen sie ihre Heimspiele regelmäßig um diese Zeit aus. Allerdings sind wir die Wikinger. Uns sollte das also ebenfalls nicht abschrecken.

Während der ersten Halbzeit war es noch ganz schön neblig. Foto: Christian Küch

Dann war es soweit. Relativ pünktlich pfiff Schiedsrichter Henry Wagner (Eimsbütteler SV Grün-Weiss Hamburg) die Partie im noch ziemlich dichten Barmbeker Nebel an. Beide Teams wirkten in den ersten Minuten noch etwas schwerfällig. Doch dann setzten die Palomaten in Person von Wolfgang Pesch ein Ausrufezeichen, indem sie bei ihrem ersten gefährlichen Angriff gleich den 1:0 Führungstreffer markierten. Dafür bediente Pascal Haase seinen Kollegen mustergültig mit einem genauen Pass in die Schnittstelle. Pesch erlief sich die Pille und verwandelte mit Augenmaß (7.). Jedoch sollte dieser Angriff für den USC Paloma tatsächlich für den Rest der gesamten Spielzeit einer von nur Zwei nennenswerten Gelegenheiten gewesen sein. Ansonsten dominierten wir die Begegnung so stark, dass die Gastgeber sogar während der ersten Halbzeit tatsächlich für etwa zwanzig Minuten nicht mal mehr über die Mittellinie in unsere Hälfte kamen. SCV-Trainer Marius Ebbers nach der Partie: „Wir haben beim USC Paloma schon andere Mannschaften, wie die TuS Dassendorf, gesehen, die sich hier schwergetan hatten. Deshalb wussten wir, dass wir die Aufgabe annehmen müssen. Das hat die Mannschaft über 90 Minuten getan. Es war von uns ein sehr dominantes Spiel, in dem wir uns viele Torchancen herausgespielt haben. Leider hat die Mannschaft vor dem Tor aber nicht die Konsequenz gezeigt, die sie oftmals schon gezeigt hat.“

Einwechslung entpuppt sich als Geniestreich

Der Paloma-Keeper hielt stark, wie auch hier gegen Dennis Bergmann. Foto: Christian Küch

Sonst hätten wir schon früh das Zwischenergebnis drehen und vielleicht sogar ausbauen können. Dabei hatten Klaas Kohpeiß und Dennis Bergmannn die dicksten Chancen auf dem Fuß, allerdings parierte Paloma-Keeper Jannis Waldmann mehrfach hervorragend. Selbst die Schweren aus der kurzen Distanz lenkte der Schlussmann mit großartigen Reflexen um den Pfosten oder über die Latte. Vor allem unser Klaas Kohpeiß dürfte davon heute Nacht noch träumen. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit verhinderte Waldmann saustarke Abschlüsse von Kohpeiß mit sehr sehenswerten Paraden, obwohl solche Schüsse eigentlich nicht so gut zu halten sind. Somit ging es mit einer knappen Führung für den USCP in die Pause, in der noch einmal ganz klar betont wurde, wie deutlich stärker wir doch agierten und, dass wir uns nur gedulden müssten. Recht sollten sie behalten, unsere Trainer. Denn während der zweiten 45 Minuten gab es ein sehr ähnliches Bild. Auch wenn die Gastgeber es schafften, sich dann häufiger auf unserer Hälfte die Bälle zuzuspielen, gab es keinen Einbruch unserer spielerischen Überlegenheit. Die Frage war nur, was passieren musste, damit wir daraus auch noch etwas Zählbares holen konnten. Neue Impulse sollten gesetzt werden. Andere Spielertypen wurden eingewechselt. So wie dann auch in der Schlussphase, als Ebbers und Martin Spreitz unseren Innenverteidiger Yannick Siemsen für Timo Stegmann in der 79. Minute brachten. Sehr zum Erstaunen aller, wurde er aber nicht in die Defensive, sondern in die Sturmspitze beordert. Ein Geniestreich, der sich postwendend auszahlte. Denn nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung flankte André Monteiro Branco perfekt und mit Pfiff vor den zweiten Pfosten, wo sich „Siemso“ bereitheilt und die Pille in die Maschen köpfte. Wie geil! Der erste Ballkontakt führte direkt zum 1:1 Ausgleich. Wahnsinn, was für eine Story.

„Zwei Tore – Auftrag erfüllt.“

Marius Ebbers
Yannick Siemsen (zw. v. re.) trifft zum Ausgleich. Foto: Christian Küch

Aber es war noch Zeit. Noch über zehn Minuten mussten gegangen werden, in denen wir immer wieder anrannten. Und dann konnte es nicht besser kommen: Es war nämlich eben dieser Yannick Siemsen, der sich in der 86. Minute halbrechts an der Strafraumkante für eine Ablage von Klaas Kohpeiß bedankte und das Leder dann cool, staubtrocken und platziert aus 16 Metern zum 2:1 Siegtreffer für seinen SC Victoria ins lange Eck schoss. Mal wieder eine Geschichte, wie wir sie lieben. Ebbers: „Wir hatten in der Halbzeit gesagt, dass wir geduldig bleiben und, dass wenn wir irgendwann die Brechstange rausholen müssen, dann noch Jungs wie Siemsen in der Hinterhand haben, der reinkommt und dann das macht, was wir von ihm erwarten: Zwei Tore – Auftrag erfüllt.“ Damit hatte der Coach auf der Pressekonferenz zumindest die Lacher der neutralen und der Victoria-Menschen auf seiner Seite. Anschließend wurde Ebbe aber wieder etwas ernster: „Ich meine: Das freut mich natürlich für Siemso. Weil alle unter der Woche unheimlich hart arbeiten und am Wochenende dann meistens auch gut spielen. Deshalb war er heute leider, weil er unter der Woche aus gesundheitlichen Gründen einen Tag gefehlt hat, nicht in der Startelf. Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass er, wenn er reinkommt, da ist und sich selbst belohnt. Natürlich gibt es auch Charaktere, die, wenn sie nicht spielen, weniger damit klarkommen. Siemsen kommt damit aber klar. Das hat er heute gezeigt und wir freuen uns darüber, dass er uns heute die drei Punkte eingefahren hat. Alles in Allem war das ein hochverdienter Sieg.“ Mit dieser Meinung stand Ebbe nicht allein da. Auch Paloma-Coach Steffen Harms musste ihm Recht geben: „Für eine lange Zeit hatten wir Fortune auf unserer Seite. Außerdem hatten wir auch noch einen überragenden Keeper dabei, den wir heute hervorheben können, weil er uns lange im Spiel und die Führung gehalten hat. Wie Marius Ebbers sagte, war es ein sehr dominantes Spiel von Victoria. Am Ende wurde der Druck dann immer größer. Dann haben wir die Tore kassiert. Ich denke, dass Victoria heute konsequent durchgespielt und auch deshalb hier verdient gewonnen hat.“ Durch diesen Sieg gehören wir weiter zur obersten Gruppe der Oberliga Hamburg. Damit das auch über die Winterpause so bleibt, wollen wir nächste Woche, am Freitag den 06. Dezember um 19:30 Uhr im letzten Spiel des Jahres 2019 die Truppe von Concordia schlagen. Und zwar wieder in unserem Stadion Hoheluft. Kommt vorbei. Lasst uns vor der besinnlichen Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel noch einmal einen tollen Fußballabend erleben. Wir freuen uns sehr darauf.

AUTOR: Mathias Reß
FOTOS: Christian Küch