Endlich ist es wieder soweit: Josef Shirdel (li.) ist zurück auf dem Platz! Foto: Christian Küch

Es war ein riesengroßer Schock, als Josef Shirdel am siebten Spieltag der Saison 2018/19, damals noch als Meiendorfer Akteur, im Spiel gegen den Wedeler TSV im Rasen hängen blieb und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Knie fasste. Ausgerechnet das Knie, das ihn gerade erst für eine sehr lange Zeit wegen eines Kreuzbandrisses aus dem Verkehr zog. Diese Partie war der erste Einsatz des ehemaligen afghanischen Nationalspielers nach seiner langen Leidenszeit. Shirdel führte die Mannschaft sogar als Kapitän auf das Feld. Die Vorfreude war groß und dann das! Die schlimmsten Befürchtungen wurden leider schnell wahr: Das Kreuzband war erneut gerissen. Doch jetzt ist der Alptraum vorbei – Shirdel feierte sein Comeback!

Zweikämpfe waren für Josef Shirdel kein Problem. Foto: Christian Küch


Es war der 08. September 2018, als sich Josef Shirdel zum zweiten Mal ganz kurz aufeinanderfolgend das Kreuzband gerissen hat. Wenn man es nicht selbst schon erleben musste, kann man wohl nur erahnen, was in einem Sportler, neben den Schmerzen, vorgehen könnte, wenn ihm klar wird, für eine sehr lange Zeit nicht mehr seiner Leidenschaft nachgehen zu dürfen. Es ist in der Tat etwas, was man Niemandem wünscht. Vor allem auch, weil es bei solch einer Verletzung, und dann auch noch im Wiederholungsfall, für viele Sportler bereits das Karriereende bedeutete. Bei Josef Shirdel kam es, sehr zur großen Freude, aber nicht soweit. Im Sommer wechselte der Mittelfeldspieler von der B75 an die Hoheluft. Bei uns führte der Fußballer seine Behandlung fort. Die medizinische Abteilung unseres Kooperationspartners ATHLETICUM UKE sowie unsere Physiotherapeutinnen Christina Hartojo und Målin Neumann haben alles dafür gegeben, dass Josef Shirdel wieder zurück auf den Platz kommen kann. ERFOLGREICH! Denn im am Samstag stattgefundenen Freundschaftsspiel gegen den SC Weiche Flensburg U23 lief der ehemalige Nationalspieler Afghanistans (zwei Einsätze, ein Tor) in der Startelf auf. Shirdel forderte die Bälle, verteilte sie gut, ließ auch mal gleich mehrere Gegenspieler aussteigen und lenkte das Geschehen aus dem zentralen Mittelfeld heraus, bis er planmäßig in der 31. Minute, sichtlich glücklich über seinen Einsatz, ausgewechselt wurde.

„In den letzten zweieinhalb Jahren war ich mit zwei Kreuzbandrissen, zwei Muskelfaserrissen und einer Zerrung echt bedient. Jetzt hoffe ich natürlich, dass es reicht und ich bis zu meinem Karriereende verletzungsfrei bleibe“, so der 26-Jährige, der keinen Hehl aus seiner Gefühlslage macht, die vor dem Testspieleinsatz gegen die „08er“ aus Flensburg herrschte: „Darauf, dass ich wieder ohne Schmerzen spielen durfte, freue ich mich, seitdem ich mir meinen ersten Kreuzbandriss zugezogen hatte. Ich muss sogar wirklich gestehen, dass ich mich mehr darauf gefreut hatte als auf alles andere in meiner bisherigen Karriere.“ Shirdel bekommt ein Lächeln auf die Lippen: „Ich muss darüber schmunzeln, dass ich mich mehr über die halbe Stunde von gestern, als über meinen ersten Einsatz als Nationalspieler vor 70.000 Zuschauern gefreut habe.“

„ Ein rieges DANKESCHÖN geht an Christina, Målin und an alle die an mein Comeback geglaubt haben!“

Josef Shirdel
Die Freude über seinen Einsatz ist Shirdel und auch Coach Martin Spreitz deutlich anzusehen. Foto: Christian Küch

Und man mag es kaum glauben, doch trotz seiner großen Leiden, während der letzten Jahre, konnte der Akteur auch etwas Positives für sich gewinnen, wie er weiter berichtet: „Zu einem gewissen Teil bin ich für diese schwere Zeit sogar dankbar, weil ich gelernt habe, es wirklich wertzuschätzen, was es heißt, gesund zu sein. Ich habe dadurch angefangen, den Fußball ganz anders und viel intensiver zu lieben.“ Während seines 30-minütigen Einsatzes im gestrigen Testspiel war Shirdel „so in Trance, dass die Zeit völlig egal war.“ Er habe es einfach nur genießen wollen, endlich wieder schmerzfrei spielen zu können. „Als ich dann ausgewechselt wurde, war es, als würde mir eine enorme Last von den Schultern fallen, die sich in den letzten zweieinhalb Jahren, vor lauter Gedanken darüber, ob ich überhaupt jemals wieder gegen den Ball treten kann, immer mehr gehäuft hat. Dieser Kurzeinsatz hat mir sehr viel Mut und Kraft gegeben, so, dass ich hungrig auf mehr bin und jetzt hoffe, gesund und munter durch die Vorbereitung zu kommen.“ Und am Ende des Statements waren dem absolut glücklichen Fußballer die noch folgenden Worte eine Herzensangelegenheit: „Ein riesiges Dankeschön geht an den Verein SC Victoria und deren Verantwortliche, die daran geglaubt haben, mich nochmal gesund zu pflegen! Besonders Christina, die sich schon seit zwei Jahren um mich kümmert, danke ich sehr! Genauso auch wie unserer lieben Målin, die sich gestern wohl noch mehr darüber gefreut hat, mich wieder auf dem Platz zusehen, als, dass ich mich selbst über meinen Einsatz freuen konnte. Jetzt möchte ich mit der Mannschaft in der Rückrunde noch ein bisschen was reißen. Und ich bin mir sicher, dass wir mit diesem Kader noch was reißen können, wenn alle gesund bleiben. Wir haben eine starke Mentalität und einen riesigen Siegeswillen. Wir müssen nur hartnäckig bleiben und zusammenhalten, dann werden wir noch viele Sieg einfahren.“

Der gesamte SC Victoria Hamburg und im Speziellen alle, die ein Teil der Ligamannschaft sind, sowie das Athleticum UKE freuen sich sehr darüber, dass es Josef Shirdel geschafft hat, wieder zurückzukehren. Lieber Josef, wir finden: Du bist ein Kämpfer und ein großer Mensch. Du verdienst es, Gutes zu erleben. Wir wünschen dir in deiner Zukunft noch sehr viel Freude am Fußball und ab jetzt eine verletzungsfreie Zeit. Es ist schön, dass du bei uns bist!



AUTOR: Mathias Reß