Der Himmel sorgte mit tollen Farben noch zusätzlich für ein ganz besonderes Erlebnis beim Test unserer Wikinger in Horst. Foto: Mathias Reß

Satte fünf Monate und 14 Tage dauerte es, dass unsere Ligamannschaft ein Fußballspiel bestreiten durfte. Am gestrigen Freitag war es dann mal wieder soweit, als die Schleswig-Holsteiner des VfR Horst unsere Wikinger empfingen. Der erste Test unserer Männer in der neuen Vorbereitungszeit, von der in Hamburg weiterhin keiner weiß, wie lange sie noch dauern wird oder muss. Doch jetzt konnten wir uns zumindest darüber freuen, dass unsere Kicker mal wieder gegen einen Gegner antreten durften, auch wenn wir dafür das Bundesland und somit unser „kleines, gallisches Anti-Amateurfußball-Dorf“ verlassen mussten. Am Ende gab es zehn Tore zu bestaunen. Mit einem klaren Ergebnis für unser Team.

Foto: Mathias Reß

„Unsere primäre Anforderung an die Mannschaft war, rauszugehen und einfach Spaß zu haben. Denn wenn man nach fünfeinhalb Monaten erst wieder das erste Spiel bestreiten kann, dann soll für die Jungs wirklich erstmal nur der Spaß im Vordergrund stehen“, antwortete Coach Martin Spreitz auf die Frage, welche Erwartungen er und Trainerkollege Marius Ebbers im Vorwege an die Mannschaft gestellt hatten. „Gerade auch mit dem Hintergrund, dass wir nicht mit elf-gegen-elf trainieren können, war das jetzt wieder die erste Erfahrung nach knapp einem halben Jahr im Elf-gegen-Elf, auf großem Feld und mit Mannschaftstaktik“, unterstrich Martin Spreitz nochmal seine vorherige Erklärung.
Und unsere Wikinger hatten Spaß. Schon in der dritten Minute klingelte es das erste Mal, als Josef Shirdel von Alexander Borck mustergültig bedient wurde und zur 1:0-Führung einnetzte. Auch der zweite Treffer ließ nicht lange auf sich warten: Wieder war es Borck, der die Vorbereitung lieferte und in der achten Minute auf U23-Leihgabe Mats Lahrtz ablegte, der keine Mühen hatte, die Pille zum 2:0 im Netz zu versenken. Alexander Borck sorgte auf der rechten Seite wirklich für mächtig viel Wirbel.  Fast so, als hätte es für „Schlachter“, wie er liebevoll gerufen wird, die Corona-Pause nie gegeben. Auch beim 3:0 für unseren SCV setzte sich Borck wieder mal auf der rechten Seite bravourös durch und legte von der Torauslinie punktgenau zurück in die Mitte des Strafraums, wo erneut Mats Lahrtz angelaufen kam und seinen Doppelpack schnürte (19.).

Ab diesem Zeitpunkt, spätestens aber ab drei Zeigerumdrehungen später war dann klar, in welche Richtung diese Partie gehen sollte. Unsere Männer hatten das Geschehen absolut im Griff und dominierten teilweise nach Belieben. Deshalb konnte sich Nil von Appen auch mal aus dritter Reihe in 17 Metern Entfernung trauen, selbstbewusst wie wir es von ihm kennen, einfach abzuziehen. Tatsächlich flog das Leder dann flach rechts unten zum 4:0 in die Maschen (22.). Die Messe schien gelesen und es kam eigentlich nur die Frage auf, wie hoch unsere Kicker das Endergebnis stellen würden. Doch sollte man nicht den Fehler machen, den Gegner so früh im Spiel zu unterschätzen und sich zurückzulehnen. Denn plötzlich waren sie da. Die Hausherren erzielten in der 26. Minute durch Michel Andre Gorny den Anschlusstreffer zum 1:4 und setzten somit ein Lebenszeichen. Ein Lebenzeichen, das jedoch nicht allzu ernst genommen wurde, da das Team des VfR Horst vorher auch nur sehr selten in unsere Gefahrenzone eindringen konnten. Doch als Gorny in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch das 2:4 erzielte, was anschließend auch das Pausenergebnis war, wurden die VfR Horst-Zweifler leiser. Die Gastgeber waren wieder dran.

Schmid und Kohpeiß harmonierten auffällig gut
Foto: Mathias Reß

Angereist mit 22 Spielern war es von vornherein die Absicht unserer Trainer, dass jeder Akteur 45 Minuten lang auf dem Platz stehen durfte. Deshalb wechselten Marius Ebbers und Martin Spreitz in der Pause das komplette Team durch, was den Fluss unserer Jungs aber nicht störte. Denn kurz nach Wiederanpfiff gelang es unserem Neuzugang Konrad Janta nach Einleitung von Julian Schmid und einem tollen Assist von Klaas Kohpeiß unsere Führung auf 5:2 auszubauen (50.). Im Anschluss gab es dann noch einen Doppelschlag durch einen Doppelpack von Andrè Monteiro Branco, der erst eine Hereingabe von Schmid, nachdem dieser klasse von Kohpeiß auf Reisen geschickt wurde, verwertete und den Ball zum 6:2 über die Linie drückte (56.) und dann einen Bogen aus 18 Metern über den Keeper zum 7:2 ins Netz beförderte (58.). Auch hier sorgte Klaas Kohpeiß für den Assist. Martin Spreitz: „Man sieht auf jeden Fall, dass die Jungs das Spielen nicht verlernt haben. Es war einiges Gutes dabei.“ Der Coach durfte sich über tolle Spielzüge, tolle Tore und über die tolle Eingliederung der Neuzugänge freuen. Aber verständlicherweise war noch nicht alles super. „Es ist natürlich auch klar, dass nach so einer langen Zeit noch nicht alles funktionieren kann und gewisse Abläufe eben noch nicht verinnerlicht wurden. Gerade auch bei den Neuzugängen, die alle ihre Sache wirklich gut gemacht haben, merkte man doch, dass es das erste Spiel war. Dennoch waren wirklich viele Gute Sachen dabei und darauf können wir auf jeden Fall aufbauen“, so Spreitz. Den Schlusspunkt setzte Magnus Hartwig mit dem Treffer zum 8:2 bereits in der 64. Minute: Eine hohe Schmid-Flanke legte Kohpeiß direkt aus der Luft verwertet in die Mitte des Sechzehners ab, wo Hartwig die Kugel annahm, sich gegen vier Gegenspieler durchsetzte und schließlich irgendwie das Runde ins Eckige kickte. Zum Ende des Spiels blieben unsere Wikinger zwar weiterhin die dominantere Mannschaft doch nahmen sie teilweise ein paar Gänge raus, was dazu führte, dass dann auch die Männer des VfR Horst noch ein paar Mal angreifen konnten. Aber auch für sie sollte kein Treffer mehr fallen, was unter anderem auch mit starken Reaktionen unseres Keeper Lleyten Lewis John zu tun hatte.

Besonders auffällig war, wie gut Julian Schmid und Klaas Kohpeiß in der zweiten Halbzeit harmonierten, für wieviel Wirbel Alexander Borck in der ersten Hälfte auf der rechten Seite sorgte und, dass Mats Lahrtz einen Doppelpack schnürte, so selbstverständlich als hätte er schon einige Jahre mehr Erfahrung im Herrenbereich. Da drängt sich sicher bei dem ein oder anderen die Frage auf, ob Mats Lahrtz jetzt auch noch zum Ligakader hinzustößt. Martin Spreitz: „Mats gehört weiterhin dem U23-Kader an. Er ist im Winter aus der Niendorfer U19-Bundesligamannschaft zu uns gekommen und macht seine Sache gut. Man sieht, dass er sich extrem gut entwickelt und den Herrenfußball gut annimmt. Man merkt aber auch in gewissen Situationen, dass er noch jung ist und, dass er eben erst ein paar Herrenspiele hinter sich hat. Für ihn war die Corona-Pause noch weniger gut als für Andere, weil ihm dadurch einfach Entwicklungszeit flöten ging. Aber man sieht jetzt schon, dass er seine Sache gut macht. An ihm können wir bestimmt noch viel Freude haben, wenn seine Entwicklung so weitergeht.“

Abschließend möchten wir uns noch beim VfR Horst für die tolle, freundliche und professionelle Gastfreundschaft bedanken. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute!

Unsere Aufstellung:
Hendrik Rabe (45. Lleyton Lewis John) – Oguzhan Senol (46. Julian Schmid), Felix Schuhmann (46. Nikolas Mallwitz), Tim-Julian Pahl (46. Yannick Siemsen), Alexander Borck (46. Jesse Plüschau) – Luca Ernst (46. Yannick Albrecht), Timo Stegmann (46. Konrad Janta), Mateusz Kaim (46. Andrè Monteiro Branco), Nil von Appen (46. Ian-Prescott Claus), Josef Shirdel (46. Magnus Hartwig) – Mats Lahrtz (46. Klaas Kohpeiß)

Torfolge:
0:1 Josef Shirdel (3.)
0:2 Mats Lahrtz (8.)
0:3 Mats Lahrtz (19.)
0:4 Nil von Appen (22.)
1:4 Michel Andre Gorny (26.)
2:4 Michel Andre Gorny (45,+)
2:5 Konrad Janta (50.)
2:6 Andrè Monteiro Branco (56.)
2:7 Andrè Monteiro Branco (58.)
2:8 Magnus Hartwig (64.)


AUTOR: Mathias Reß