Foto: Christian Küch

Am fünften Spieltag der Hamburger Oberliga war der HEBC bei uns zu Gast. Bei einer Luftlinien-Entfernung von lediglich zwei Kilometern zwischen den Vereinen, konnte man durchaus auch von einem Derby sprechen. Ihren Saisonstart gestalteten beide Teams – sagen wir mal – recht ausgeglichen. Während wir zuvor mit zwei Siegen und zwei Niederlagen auf sechs Punkte kamen, erreichten die Lila-Weißen durch zwei Unentschieden, einen Sieg und eine Niederlage fünf Zähler. So standen sich am Freitagabend bei toller Flutlichtatmosphäre der Zehntplatzierte und der Zwölfte des Klassements gegenüber. Es gestaltete sich ein interessantes Spiel mit einem am Ende doch verdienten Sieger.

Sofort nach seinem verschossenen Elfmeter wurde Ian-Prescott Claus wieder aufgebaut. Foto: Christian Küch

Die Gäste von der Tornquiststraße zeigten sich vom Anpfiff weg motiviert, diszipliniert und geordnet. Unsere Wikinger aber genauso. Deshalb tasteten sich beide Teams erstmal hauptsächlich im Mittelfeld ab. Bis zur ersten nennenswerten Torchance vergingen knapp zehn Minuten. Wäre jedoch in dieser Szene der Ball ins Netz gegangen, wäre das auf jeden Fall mindestens „Tor des Monats“-würdig gewesen: Unser Außenbahnflitzer Alexander Borck trat an der rechten Seitenlinie zum Einwurf an. Etwa auf Höhe des Elfmeterpunktes. „Schlachter“ holte Schwung und warf die Kugel mit viel Wucht im hohen Bogen direkt auf das Tor. Der HEBC-Keeper Patrick Meins sprang im Fünfmeterraum weitestgehend unbedrängt in die Höhe und streckte die Arme nach oben, um die Kugel aus der Luft zu fischen. Doch stattdessen flutschte der Ball durch seine Handschuhe, sodass der Schlussmann sich schnell um seine eigene Achse drehen musste, um ein Tor für unsere Wikinger noch kurz vor der Linie zu verhindern. Was wäre das für ein Treffer gewesen. Auf jeden Fall Einer, über den man noch lange gesprochen hätte. Im direkten Gegenzug kam dann aber HEBC zu einer guten Chance, doch Juro Julardzija konnte nach einer scharfen Hereingabe den Ball nicht mehr erreichen. Zwei Minuten später war es wieder Julardzija, der dann aus sechs Metern an einer guten Reaktion unseres Keepers Hendrik Rabe scheiterte.

Nach diesen beiden Gelegenheiten für die Gäste kippte das Spiel dann aber etwas deutlicher auf unsere Seite. Denn unsere Männer nahmen mehr und mehr das Heft des Handelns in die Hand, was auch ein Chancenplus für uns bedeuten sollte. Doch weder Magnus Hartwig (17. und. 38. Minute) noch Ian-Prescott Claus (19., 21., 39. und 43.) und auch nicht Alexander Borck, der in der 28. Minute nach einem tollen Sololauf und Doppelpass mit André Monteiro Branco am Ende am Pfosten scheiterte, brachten das Spielgerät ins Netz. Selbst als es in der 27. Minute einen berechtigten Strafstoß für uns gab, nachdem Julian Schmid durch Lionel von Zitzewitz von den Beinen geholt wurde, wollte die Pille einfach nicht über die Linie. Claus trat an und schoss rechts am Kasten vorbei.

Da zappelt der Ball im Netz. Siemsen (dr. v. re.) trifft zur erlösenden Führung. Foto: Christian Küch

Nach vielen Versuchen – Siemsen bringt die Erlösung

Deshalb ging es dann auch bis nach der Pause erstmal torlos weiter, was jedoch die Gäste in Person von Janosch Rinckens, der erst zum zweiten Durchlauf eingewechselt wurde, fast geändert hätten. Denn die zweite Halbzeit war nicht mal 90 Sekunden alt, als Rinckens gefährlich und alleine vor unserem Schlussmann Rabe auftauchte und final versuchte, den Ball über ihn drüber zu chippen. Jedoch zeigte Rabe eine hervorragende Reaktion und wehrte das Leder mit einer klasse Parade ins Toraus. Dieser tollen Tat unseres Keepers folgten noch viele tolle Taten unseres gesamten Teams. Denn ab dann übernahmen wieder unsere Wikinger das Ruder.

Phasenweise drängten wir fast schon auf die Führung. In der 52. und 53. Minute scheiterte Julian Schmid jeweils am Keeper. Genauso wie Konrad Janta nur eine Zeigerumdrehung danach. Auch Stürmer Claus musste sich wenig später den Reaktionen von HEBC-Torsteher Meins geschlagen geben, der den Ball in dieser Situation neben das Gehäuse ins Aus abwehrte. Die darauffolgende Ecke brachte dann aber die verdiente und hart erarbeitete Führung für unseren SC Victoria: Branco schoss den ruhenden Ball hoch und mit viel Effet mitten in den Sechzehner, wo Felix Schuhmann empor stieg und ihn noch mit einer leichten Berührung per Kopf auf den mit aufgerückten Verteidiger Yannick Siemsen weiterleitete, der im Gewühl die Ruhe behielt und cool zum 1:0 vollstreckte (61.). Was für eine Erleichterung!

Nil von Appen (li.) spielt den finalen Pass vor dem zweiten Tor.
Foto: Christian Küch

„Der Sieg war absolut verdient.“

SCV-Trainer Martin Spreitz

Nicht lange danach hätte Hartwig das Ergebnis sogar noch nach oben schrauben können, nur leider sollte es in dem Moment nicht klappen. Was dem Stürmer verwehrt blieb, schaffte dann aber unser Kapitän in der Schlussphase. Dabei störte „Schumi“ einen Spielaufbau des Gegners in dessen Halbfeld und ergatterte sich das Leder selbst, bevor er damit in Richtung Strafraum zog und dann, etwa 16 Meter vor dem Ziel, rechts auf den mitgelaufenen Nil von Appen passte. Der Mittelfeldakteur hatte die beste Schussgelegenheit. Er stand plötzlich allein vor dem Torwart und zog diesen somit auf sich. Aber statt einfach abzuziehen, schaltete „Nilo“ perfekt und entschied im Bruchteil einer Sekunde, uneigennützig doch wieder zurück in die Zentrale und somit einen Doppelpass zu spielen, da Schuhmann dann plötzlich wieder besser postiert war und somit die Kugel zur 2:0-Führung über die Linie drücken konnte. Ein Zusammenspiel par excellence, was sogar den schönen Schlusspunkt für dieses Match setzen sollte. Trainer Martin Spreitz resümierte anschließend wie folgt:“ Wir haben einen absoluten Arbeitssieg eingefahren. Ich habe von unseren Jungs ganz viel Einsatz und Investment gesehen. Am Ende hatte man dadurch auch gemerkt, dass der Gegner schon auch etwas müde gespielt war, wobei wir es einfach auch versäumt haben, was dann eigentlich unsere Stärke ist, noch eine Schippe draufzulegen. Auch wenn wir dann noch das 2:0 nachlegen konnten, hätten wir das noch wesentlich besser zu unseren Gunsten nutzen können. Aber HEBC war auch ein sehr kompakter Gegner, der sehr schwer zu bespielen war. Sie haben es uns definitiv echt schwer gemacht. Am Ende finde ich aber, auch wenn wir den 2:0-Sieg hart erkämpft haben, dass der Sieg auch absolut verdient gewesen ist.“

So spielten unsere Wikinger:
Hendrik Rabe – Yannick Siemsen, Oguzhan Senol, Felix Schuhmann, Julian Schmid, Jan Kämpfer – Konrad Janta (ab 63. Minute Nil von Appen), Alexander Borck, André Monteiro Branco – Magnus Hartwig (ab 78. Minute Matz Lahrtz), Ian-Prescott Claus (ab 69. Minute Luca Ernst)


AUTOR: Mathias Reß