Foto: Christian Küch

So hatte sich der SC Victoria nach der Winterpause seinen Jahresauftakt in der Oberliga Hamburg sicherlich nicht vorgestellt. Am Freitag empfing die Truppe von Trainer Marius Ebbers als Tabellendritter den Rangzwölften SV Rugenbergen in ihrem schönen, traditionsreichen Stadion an der Hoheluft. Bei den Zuschauern als haushoher Favorit gehandelt, schien der Ausgang vor der Partie eine klare Sache zu sein. Es wurde nur noch diskutiert, wie hoch Vicky gewinnen würde. Auch Gäste-Trainer Andelko Ivanko sagte in der anschließenden Pressekonferenz: „Auf dem Weg zum Spiel hätte ich blind eine 0:3 Niederlage unterschrieben“, was auch damit zu tun hatte, dass der Coach derzeit 14 Ausfälle in seinem Team verkraften muss, weshalb er, „auch wenn ich niemand bin, der zu früh aufgibt“, ebenfalls mit einem Sieg des extrem heimstarken SC Victoria rechnete.Am Ende war es für Andelko Ivanko allerdings sehr von Vorteil, dass es keine solchen Vereinbarungen zum Unterzeichnen gibt. Schließlich kam es ganz anders als gedacht.

Denn das was „Vicky“ am Freitagabend unter Flutlicht auf dem Feld zeigte, war ganz deutlich „nicht oberligareif“, wie es Marius Ebbers im Anschluss an die Partie auf den Punkt brachte. „Was ich den Jungs trotzdem nicht absprechen kann, ist der Wille, das Spiel am Ende noch zu drehen. Der war da.“ Ins Hintertreffen geriet der SCV bereits in der 34. Minute durch den einzigen Treffer dieses Duells von Hassan Zarei. Nach einer Balleroberung setzte Kilian Utcke schließlich seinen Teamkameraden sehr gut in Szene, der von der gegnerischen Defensive sträflich allein gelassen wurde, wodurch sich für den Torschützen ein freier Raum ergab, den er bravourös ausnutzte. Dabei ließ Hassan Zarei Victorias Torwart Hendrik Rabe keine Chance, indem er sich im Eins-gegen-Eins das lange Eck ausguckte und gekonnt vollstreckte. Zwar steigerten sich die Spieler des SC Victoria ab Beginn der zweiten Halbzeit, jedoch reichte es am Ende nicht für einen Ausgleich oder gar einen Sieg. Drei Lattentreffer und eine sehr starke Leistung des Gäste-Keepers Patrick Hartmann verhinderten, dass die Heimmannschaft zu einem Torerfolg kam. Ein totaler Gegensatz zum Hinspiel, welches der SCV klar mit einem 7:0 Sieg für sich entscheiden konnte. Die Kicker des SV Rugenbergen wussten demnach nur zu gut, welche Stärken ihr Gegner besitzt. Sie schafften es, sich perfekt darauf einzustellen. Über neunzig Minuten kämpften sie aufopferungsvoll und versuchten mit allen Mitteln einen Sturmlauf des SC Victoria zu verhindern, was ihnen auch spätestens im Sechzehner sehr gut gelang. Zusätzlich sorgten die SVR-Kicker durch schnelle Umschaltspiele auf der anderen Seite ebenfalls hin und wieder für gefährliche Momente. Einen weiteren Treffer benötigten sie jedoch nicht. Am Ende besiegten die Rugenbergener, sehr zur großen Verwunderung in der Hamburger Amateurfußballszene, den SC Victoria mit 1:0, der in der Oberliga seit dem 08.03.2019 im eigenen Stadion nur noch ein Unentschieden hinnehmen musste und sonst alle Spiele gewann.

Deutlich bedient äußerte sich Vicky`s Trainer Marius Ebbers nach dem Schlusspfiff: „In solchen Momenten könnte man kotzen, weil das einfach unnötige Niederlagen sind. Und die haben wir alle paar Wochen. Dann stehen wir im Kreis zusammen und fragen uns, wie das passieren kann. Das ist, wenn man seine Qualitäten, die man hat, zum Teil auch überschätzt und meint, man muss immer was Besonderes machen und nicht die einfache Lösung finden. Dann kommen solche Spiele zustande. Und dann ist es mir auch scheißegal, ob wir dreimal die Latte treffen. Wir haben es nach 90 Minuten einfach nicht verdient, so ein Spiel unentschieden zu spielen oder eventuell sogar noch zu gewinnen. Das ist einfach so.“ Sein Gegenüber hingegen hatte natürlich eine viel bessere Laune: „Ich freue mich natürlich über unseren Sieg. Und wegen unserer Personalsituation grenzt dieses Ergebnis sogar an ein Wunder“, so Andelko Ivanko, der zum Schluss sein Verständnis in Richtung des Gastgebers äußerte: „Ich weiß, wie das ist, so ein Spiel, trotz aller Dominanz, zu verlieren und kann den Frust von Ebbe verstehen.“



AUTOR: Mathias Reß