„TJ“ Pahl hält sich auch daheim fit. Foto: privat

Die Bundeskanzlerin ruft dazu auf, soziale Kontakte, soweit es geht, zu meiden, Geschäfte wurden geschlossen und die Fußballplätze sind in Hamburg sowieso noch bis zum 30. April gesperrt. Dass es momentan ganz sicher andere Sorgen gibt, als den Mannschaftssport weiter zu betreiben, ist absolut klar. Darüber wird täglich sehr viel gesprochen und geschrieben. Aber trotzdem möchten wir gerne auch mal schauen, wie es eigentlich unseren Spielern damit geht, dass derzeit kein Teamsport stattfindet. Was vermissen sie? Woran denken sie, wenn sie sich damit beschäftigen, dass der Ball ganz sicher auch irgendwann wieder rollen wird? Die Aussage „irgendwann“ verunsichert. Und wie halten sie sich eigentlich selbst fit? Wir haben dazu mal unsere Wikinger Tim-Julian Pahl, Alexander Borck und Klaas Kohpeiß befragt.

Spaß ist trotz allem sehr wichtig. Foto: privat

„Ich glaube, dass nicht viele Mannschaften wirklich wettbewerbsfähig sein werden, beziehungsweise würde auch das Niveau ziemlich darunter leiden, wenn man direkt nach der Pause wieder in den Wettbewerb einsteigt“, ist sich Klass Kohpeiß sicher, der damit Befürchtungen ausspricht, die er sicherlich auch mit anderen Fußballern teilt.  Seit Freitag den 13. März 2020 ist der Sportbetrieb in unsere schönen Hansestadt eingestellt. Tim-Julian Pahl: „Von einem Tag auf den anderen lag plötzlich alles lahm. Der Spielbetrieb sei erstmal vorbei, war dann die Nachricht. Und das Schwierige daran ist, dass man nicht wirklich weiß, wann es wieder weitergehen kann“, teilt uns der Verteidiger seine Gedanken mit. „Das heißt: Umso schwieriger ist es, sich vorzubereiten. Ich denke, dass das jetzt für alle Sportler eine Herausforderung ist, sich auf dem Level, auf dem man mitten in der Saison war, zu halten. Das ist somit wirklich die größte Schwierigkeit, wofür wahrscheinlich jeder für sich einen eigenen Weg finden muss.“ Auch Angreifer Kohpeiß macht deutlich, dass die momentane Lage verunsichert: „Für Viele ist es jetzt einfach auch unklar, ob die laufende Saison überhaupt noch fortgesetzt wird. Denn momentan herrscht ja lediglich eine vorläufige Unterbrechung. Niemand weiß, ob es dann noch länger unterbrochen wird und wie der Verband dann damit umgeht bzw. umgehen muss.“

Bis es soweit ist, dass das alltägliche Leben aber auch der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden kann, wird es wohl leider noch eine Weile dauern. Alexander Borck, der als Fitnesstrainer in einem EMS-Studio (EMS: Elektrische Muskelstimulation) in Buchholz arbeitet, trifft es auch auf der beruflichen Ebene. Trotzdem versucht „Schlachter“, wie er liebevoll von allen gerufen wird, die Zeit zu nutzen und nicht alles schwarz zu sehen, auch wenn das eine Challenge ist: „Das Corona-Thema ist wirklich ein sehr schweres Thema. Ich will es eigentlich gar nicht so wahrhaben, wenn ich ehrlich bin. Jedoch bekommt man es jetzt wirklich so richtig zu spüren. Besonders auch in unserem Fitnessstudio, das natürlich geschlossen werden musste. Und das Besondere an dieser Krise ist, dass man einfach nicht wissen kann, wann es wieder zur Normalität kommt. Dass man wieder rausgehen kann, ohne, dass man sich Gedanken darüber machen muss oder, dass man auch einfach wieder normal zur Arbeit fahren kann. Es ist bedrückend, wenn man mit seinen Jungs nicht mehr unter der Woche zum Training gehen und sich dort treffen kann. Und auch die Flutlichtspiele in unserem beleuchteten Vicky-Stadion an einem Freitagabend fehlen. Dass das alles erstmal wegfällt, ist echt traurig“, so Borck, der sich von den Umständen aber nicht unterkriegen lässt. „Letzten Endes kann man nur das Beste aus der Situation machen. Ich persönlich nehme mir jetzt viel Zeit für Dinge, die ich sonst kaum schaffe. Wie zum Beispiel Projekte im Haus oder im Garten. Außerdem nehme ich mir jetzt auch viel Zeit für meine Lebensgefährtin, für meine Hündin oder auch für mich selbst.“

„Ich wünsche Jedem Gesundheit!“

Alexander Borck
Konzentriert zieht Verteidiger Pahl sein Programm durch. Foto: privat

Für sich selbst Zeit nehmen ist dabei ein wichtiger Punkt. Wie halten sich unsere Kicker jetzt, in Zeiten des Homeoffice, eigentlich fit? Klaas Kohpeiß: „Ich gehe allein joggen. Dadurch kann man wenigstens die Grundfitness aufrechterhalten. Ansonsten muss man sich Zuhause auf seine Stabi-Übungen konzentrieren. Viel mehr ist auch nicht wirklich drin. Der Fitnessstand wird nicht vergleichbar mit dem in eins, zwei Monaten sein.“ Alexander Borck trainiert ähnlich: „Sich für den Fußball fit halten, ist natürlich etwas schwieriger. Ich mache momentan, wie viele Andere, mein eigenes Home-Workout. Sonst bleibt mir einfach nur übrig, dass ich alleine laufen gehe. Im Grunde gestalte ich mir das so, dass ich Intervall- oder Langstreckenläufe mache, um meine Grundausdauer hochzuhalten. Dadurch, dass meine Hündin mitläuft, gestalten sich die Läufe auch nicht wirklich langweilig. Nebenbei mache ich noch Übungen, die im Eigengewicht ausgeführt werden. Zum Beispiel sind das Klimmzüge, Liegestütze und Push-Up`s, um damit auch etwas für meinen Torso zu tun. Aber ganz ehrlich: Das Ganze kann man nicht mit einfachem Teamsport vergleichen. Denn nichts kann dem gerecht werden, sich Woche für Woche mit den Jungs auf dem Platz zu treffen, zusammen mit viel Schweiß und Anstrengungen viel Spaß zu haben und sich gemeinsam auf die kommenden Spiele vorzubereiten, das man dann am Wochenende 120 Prozent geben kann und im besten Fall als Sieger vom Platz geht.“ Abwehrspezialist Tim-Julian Pahl schließt sich dieser Art des Trainings ebenfalls an und macht nochmal deutlich, dass das aber kein Ersatz sein kann: „Mit diesen Ausmaßen hat einfach keiner gerechnet. Natürlich fehlt einem der Wettbewerb. Im Vergleich vom Team- zum Individualtraining gibt es eine ganz andere Motivation. Eben auch ein ganz anderes Gefühl. Man vermisst natürlich auch die Witze und das Gemeinschaftsgefühl, wie es eben in so einer Mannschaft üblich ist.“

Trotzdem, dass wir uns mit „TJ“ Pahl, Alexander Borck und Klaas Kohpeiß eher nur über die sportlichen Umstände unterhalten wollten, war ihnen dennoch sehr wichtig auch nochmal das allgemeine Virus-Problem zu betrachten. Alle drei waren sich einig: „Es gibt weitaus schwerwiegendere Folgen, als dass der Fußballbetrieb erstmal lahm liegt.“ Pahl konkretisiert: „Ich glaube, dass keiner von uns gedacht hätte, was der Corona-Virus schließlich für Folgend hat. Das geht weit über den Fußball hinaus. Das ist der absolute Wahnsinn. Ich denke dabei eben an die kranken Menschen und an die ganzen Existenzen, die momentan wirklich zu kämpfen haben. Das ist der Punkt wofür wir jetzt wirklich alle, die ganze Gesellschaft, zusammenhalten müssen.“ Diese und die folgenden Schlusswort von Alexander Borck teilt natürlich auch der gesamte SC Victoria Hamburg: „Ich wünsche Jedem, besonders den Betroffenen, dass sie wieder gesund werden und allen Anderen, dass sie gesund bleiben!“

#WirBleibenZuhause

AUTOR: Mathias Reß