Nick Scharkowski (li.) erzielte den ersten Treffer für den SCV. Foto: Christian Küch

Wir hatten es im Vorfeld schon angekündigt. Als einen „Pokal-Hit“ hatten wir die Partie bezeichnet. Einen Auftakt für die neue LOTTO-Pokal-Saison der es in sich haben könnte. Und genau so war es dann auch vor allem in der Nachspielzeit, in der das Spiel zwischen unserer Ligamannschaft und dem TSV Sasel so viel an Dramatik gewann, dass es eigentlich auch für die kompletten 90 Minuten gereicht hätte. Ein Krimi mit höchstem Unterhaltungswert in den Schlussminuten.

Da zappelte der Ball schon in der neunten Minute im Netz.
Foto: Christian Küch

Es gibt neue „Spielregeln“, die der Hamburger Fußballverband erst kürzlich veröffentlichte und erklärte. Unter anderem gehört auch dazu, dass es bei einem Pokalspiel keine Verlängerung mehr gibt, sollte nach Ablauf der regulären Spielzeit kein Sieger feststehen. Dann würde man die Entscheidung direkt in einem Elfmeterschießen ausspielen. Und genau dazu wäre es in der Erstrunden-Partie am Freitagabend im Stadion Hoheluft fast gekommen. Wenn da nicht eben diese Nachspielzeit gewesen wäre.

Das gesamte Match hielt sich über 90 Minuten ziemlich in der Waage. Immer mal wieder mit leichtem Übergewicht in die eine oder in die andere Richtung. Beginnend mit einem tollen Auftritt unserer Victorianer. Sie machten von Anfang an Druck auf die Gäste und erspielten sich dadurch schon gleich ein paar gefährliche Situationen. Gleichzeitig stand unsere Defensive stabil und ließ zunächst sehr wenig zu. Deshalb ging unsere Ligamannschaft zu diesem Zeitpunkt absolut verdient durch Nick Scharkowski in der neunten Minute mit 1:0 in Führung. Auch in der anschließenden Zeit, hatte unser Team das Geschehen im Griff.

Der Gedanke an ein Elfmeterschießen war da

Nil von Appen (mi.) verpasste seine Chance nur knapp.
Foto: Christian Küch

Doch dann kam, man kann sagen „wie aus dem Nichts“, der Ausgleich (19.) für die Truppe von Sasel-Trainer Danny Zankl. Mit einem gut gespielten Konter gelang der Ball in unsere Gefahrenzone, wo Spielmacher Nico Zankl aus etwa 13 Metern abzog. Doch eine sehr sehenswerte Parade von Keeper Hendrik Rabe verhinderte zunächst den Einschlag. Allerdings reagierte der Saseler Jean-Lucas Gerken am schnellsten und nutzte den Abstauber. Dieser 1:1 Zwischenstand schien die Gäste zu beflügeln. Denn dann entwickelte sich ein leichtes Übergewicht auf der anderen Seite der Waage. Unsere Mannschaft bekam bis zum Pausenpfiff keinen wirklichen Zugriff mehr und die Chancen für die Gäste häuften sich.

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich zwar noch nicht so viel, sodass die erste gefährliche Situation wieder dem TSV Sasel gehörte, doch dann legten unsere Trainer Marius Ebbers und Martin Spreitz wieder ein Gewicht mehr auf ihre Seite. Erst köpfte Luca Ernst (55.) nach einem echt tollen Flankenlauf von Alexander Borck knapp über den Kasten und danach wurde ein Treffer von Gerrit Pressel wegen einer Abseitsposition nicht anerkannt (61.). Nur eine Minute später war es wieder Luca Ernst, der den Abschluss suchte, aber an Schlussmann Todd Tuffour scheiterte. Den Nachschuss setzte Nil von Appen nur knapp vorbei. Es sollte nicht mehr sein. Und spätestens in der 90. Minute dachten ganz bestimmt die meisten der anwesenden Zuschauer an ein kommendes Elfmeterschießen.

Vicky jubelt, Vicky ist am Boden, Vicky jubelt – Sasel-Tor in der 95. Minute aberkannt

Die Unparteiischen berieten sich und nahmen dann den Treffer des TSV Sasel in der 95. Minute zurück. Foto: Christian Küch

Doch dann: Das Wechselbad der Gefühle wurde zu einer reinen Achterbahnfahrt. Zuvor lag schon immer mehr Anspannung in der Luft. Ein eventuelles Elfmeterschießen wäre noch mal sehr viel nervenaufreibender. Die Erlösung sollte es aber in der dritten Minute der Nachspielzeit geben. Noch einmal ein Eckball für unsere Wikinger. André Monteiro Branco brachte das Leder hoch vor das Tor. Dort schraubte sich der mit aufgerückte Innenverteidiger Nikolas Mallwitz in die Luft und beförderte das Runde in das Eckige. Was ein Wahnsinn! Der Jubel kannte keine Grenzen. Alle Spieler plus Ersatzbank rannten zur Eckfahne, um den Treffer gemeinsam zu bejubeln. Das war die Entscheidung! Dachte man jedenfalls …..

Die Partie wurde aber noch nicht abgepfiffen. Und so kam es, dass in der fünften Minute der Nachspielzeit der TSV Sasel noch einmal einen Freistoß zugesprochen bekam, der im Strafraum nicht richtig verteidigt werden konnte. Timo Adomat schaffte es dann tatsächlich, den Ball über die Linie zu drücken. Damit stand es plötzlich 2:2 Unentschieden und jetzt waren es die Saseler, die jubelnd den Platz stürmten und wir schauten auf den Boden. ABER: Auf einmal rief Schiedsrichterassistent Christopher Siegk den Unparteiischen Devin Wengorz zu sich. Beide berieten sich einen Moment und alle im Stadion warteten gespannt darauf, was das denn nun bedeuten würde. Und tatsächlich wurde der Saseler Treffer zurückgenommen. Wegen einer vermeintlichen Abseitssituation, die später noch für sehr viel Gesprächsstoff sorgen sollte. Dennoch: Die Entscheidung stand. Es blieb bei einer 2:1-Führung für unsere Ligamannschaft. Als der Referee dann in der 97. Minute endlich abpfiff, fielen eine Menge Steine von den Schultern. Die Spieler, Trainer und Teamangehörigen lagen sich in den Armen. Die Fans riefen die Mannschaft zu sich, um auch noch mal mit ihnen zu jubeln.

Ein Lob an die Mannschaft – Auslosung für die 2. Runde im Live-Stream

Alle hatten nach dem Spiel ein Strahlen im Gesicht. Foto: Christian Küch

Was in den letzten vier Minuten der Nachspielzeit los war, war einfach unfassbar. Am Ende zählte für uns aber nur noch: Wir sind eine Runde weiter. Und das gegen ein gegnerisches Team, das wirklich sehr guten Fußball spielte und zwischendurch hätte sogar in Führung gehen können. Sie haben uns teilweise vor große Probleme gestellt, was auch Trainer Marius Ebbers in der anschließenden Pressekonferenz zugeben musste. Doch mit einer hervorragenden Teamleistung haben es unsere Männer geschafft, am Ende den Sieg auch verdient einzufahren. Sehr stark!

Am Montag den 01. August wird beim Hamburger Fußballverband um 18:30 Uhr die zweite Runde des LOTTO-Pokals ausgelost. Diese treten wir dann schon am kommenden Wochenende an. An welchem Tag genau und zu welcher Uhrzeit wir spielen werden, wissen wir natürlich erst nach der Auslosung. Selbstverständlich werden wir über unsere sozialen Kanäle wie Facebook, Instagram und unsere Homepage darüber informieren. Wer die Auslosung im Internet mitverfolgen möchte, kann dies über einen Live-Stream auf hfv.de und dem HFV-YouTube-Kanal tun.


AUTOR: Mathias Reß