Auch der sonst so starke Julian Schmid (li.) erwischte nicht seinen besten Tag. Foto: Mathias Reß

Es war das Topspiel der Oberliga Hamburg. Unser SC Victoria zu Gast bei der TuS Dassendorf. Dies bedeutet immer eine schwere Aufgabe. Das dann aber für beide Seiten. Allerdings gab es dieses Mal eine erste Halbzeit, in der nur eine Mannschaft so richtig spielte und das waren leider nicht wir. So ging es mit einem 0:4-Rückstand in die Pause und manch ein Zuschauer verließ den Ort des Geschehens mit den Worten: „Ich hatte hier ein spannendes Spiel erwartet und nicht so einen einseitigen Kick.“ Allerdings folgten noch weitere 45 Minuten, in denen unsere Männer dann sehr viel besser agierten und durch Tore noch einmal berechtigte Hoffnungen entflammten. Am Ende reichte es aber leider nicht ganz, so, dass wir traurigerweise als der verdiente Verlierer die Heimreise antraten.

Die SCV-Abwehr um Yannick Siemsen bekam Dasse nicht in den Griff. Foto: Mathias Reß

Schönreden kann man sich immer alles. Ausreden sind ganz sicher auch schnell gefunden. Aber den „Hätte-Hätte-Fahrradkette-Artikel“ hauen wir jetzt nicht raus. Denn man kann und sollte es auch einfach aussprechen, wenn die Leistung nicht stimmte. Und genau das war in der ersten Halbzeit das Problem unserer Victorianer. Die Einstellung wirkte weit entfernt von der eines kämpfenden Wikingers. Dies spiegelte sich beispielsweise leider in nicht abgestimmten Laufwegen und zahlreichen Fehlpässen wider. Dass unsere Männer zudem nicht mit dem Boden zurechtkamen und immer wieder auf dem nassen Rasen wegrutschten, war bezeichnend für die am heutigen Tage fehlende Griffigkeit. Deshalb müssen wir uns einfach die nicht gute Leistung eingestehen, ohne nach den berühmten „Abers“ und „Wenns“ zu kramen. Wie bereits geschrieben, bezog sich das vor allem auf die ersten 45 Minuten. Denn zur Pause führte die TuS Dassendorf gegen uns bereits verdient mit 4:0, weil wir „sie zum Tore schießen eingeladen haben“, wie es Trainer Marius Ebbers auf der anschließenden Pressekonferenz treffend ausdrückte. Nach einem Doppelschlag von Sven Möller in der 14. und 15. Minute folgte nach einer halben Stunde der dritte Streich durch Mattia Maggio, bevor Maximilian Dittrich weitere acht Zeigerumdrehungen später mit dem Ball durch unsere Defensive spazierte, als wären seine Gegenspieler einfache Slalomstangen, und aus kürzester Distanz zum vierten Mal für die TuS einnetzte.

Moral im zweiten Durchlauf bewiesen – Es reichte aber leider nicht

Doppelpacker Ian-Prescott Claus (vo.) erziele wenigstens neue Hoffnung. Foto: Mathias Reß

Jetzt liegst du nicht gerade bei irgendeinem „No-Name“ so krass hinten und musst es schaffen, die Motivation hoch zu halten. Du musst es gemeinsam als Team hinbekommen, während der 15-minütigen Spielunterbrechung, dich auch gedanklich so zu stabilisieren, dass du wieder auf den Platz gehst und versuchen kannst, doch noch etwas zu erreichen, was für viele andere Mannschaften bereits völlig aussichtslos wäre. Du darfst dich nicht aufgeben und musst quasi daran denken, dass es dem Gegner gerade gelang, in einer Halbzeit vier Buden zu knipsen, dein Team das aber auch kann. Was spricht denn dagegen? Immerhin gehören wir ebenfalls zu den Top-Mannschaften des Hamburger Amateurfußballs. Wir haben es drauf! Wir können genauso Fußballspielen, wenn wir unsere Qualität abrufen, was im ersten Durchlauf eben nicht geschah. Also was sollte passieren? Und deshalb kam genau das, was sich die mitgereisten Vicky-Anhänger so sehr wünschten: Unsere Männer kamen auf das Feld, zeigten ein anderes Gesicht und fanden sofort besser ins Spiel, als der Gegner. Sie zeigten, dass sie gewillt waren, trotz des hohen Rückstandes, doch noch was zu reißen. Nicht eben nur Schadensbegrenzung, sondern tatsächlich noch etwas Zählbares. „Nur“ zwei Tore mit genügend Restspielzeit und wir wären wieder dran. BAMM – Dann klingelte es das erste Mal, aus unserer Sicht, im richtigen Gehäuse. Nach einer Ecke brachte Timo Stegmann das Spielgerät in der 50. Minute auf den ersten Pfosten, wo Ian-Prescott Claus aus vier Metern ins kurze Eck einnickte. Wir lebten noch! Und das zeigten unsere Kicker. Man spürte, dass tatsächlich noch nicht alles abgeschrieben war. Spätestens, als Claus in der 63. Minute mit einem Schuss ins lange Eck noch einmal traf und den Rückstand auf 2:4 verkürzte, war die Hoffnung wieder immens. Auf einmal wirkten die Gastgeber etwas nervöser und unsere Männer zeigten im Angriffsspiel, dass man sie niemals abschreiben sollte. Auch nicht in Dassendorf. So hätte sich Claus nur zwei Minuten nach seinem zweiten Treffer fast zum heutigen Helden befördern können, jedoch scheiterte er leider am gut parierenden Keeper Christian Gruhne. Auch weitere Chancen unserer Truppe blieben ohne Erfolg. Aber teilweise eben auch, weil die Dassendorfer nicht nur im Sturmlauf, sondern ebenso in der Rückwärtsbewegung gut spielen können. Nur weil sie nach unseren beiden Treffern zumindest phasenweise etwas unruhig wirkten, begannen sie ja nicht gleich so zu schwimmen, wie wir es leider in der ersten Halbzeit taten. So spielten sie meist clever ihren Stiefel herunter, was für die Hausherren am Ende zu einem 4:2-Sieg reichte und uns die zweite Saisonniederlage bescherte.

Mit den Köpfen gesenkt, teilweise leer und teilweise zu voll, ging es dann auf den Heimweg. Doch schon in den nächsten Tagen geht es an der Hoheluft wieder mit dem Training weiter. Schließlich erwarten wir bereits am kommenden Freitag um 19:30 Uhr den Oberliga-Neuling Hamm United FC am Lokstedter Steindamm, gegen den es dann natürlich wieder besser laufen soll, damit diese erste Halbzeit in Dassendorf schnell in Vergessenheit gerät und wir uns wieder freuen können. Verlieren gehört vollkommen dazu, aber auch das Freuen und die Feier nach einem Sieg. Und genau das ist das, was schöner ist und was unsere Wikinger in nur fünf Tagen erneut anstreben.


AUTOR: Mathias Reß